Bewegung
Dramatische Gesten, laufende, springende und tanzende Figuren: Die Darstellung von Bewegung ist ein zentrales Thema in der Kunst. Dieses existiert seitdem der Mensch das Bedürfnis entwickelte seine Gedanken, Emotionen und Erlebnisse bildnerisch festzuhalten.
Die Werke, von den prähistorischen Jagdszenen an den Felswänden von Höhlen und Grotten bis heute, gelten als eine statische Kunstform. Die Vortäuschung von Nichtexistierendem fordert die Künstler heraus einen Weg zu suchen, um die Starre des Motivs auf der Leinwand zu überwinden. Die Darstellung eines Einzelbilds aus einem Bewegungsablauf suggeriert die Illusion der Bewegung und regt die Betrachtenden an, diesen Ablauf gedanklich zu vervollständigen. Die geschickt gewählte geschwungene Körperhaltung und die flirrenden Pinselstriche erwecken den Eindruck von physischer Bewegung. Farbe, Licht, und Komposition erzeugen die dynamische Lebendigkeit.
Mit Werken von Jelena Đurić, Michael Hedwig, Dimitrije Popović und Duško Šibl vereint die Ausstellung im Infeld Haus der Kultur in Halbturn facettenreiche Darstellungen von kraftvoller Bewegung des Körpers, innerlicher Bewegung des Geistes und der Bewegung von Energie.
Duško Šibl (Kroatien) fasziniert der menschliche Körper in Bewegung. Energiegeladen tanzen seine Figuren durch Raum und Zeit, als ob ihre Schwünge in Einzelteilen zerlegt und präzise neu zusammengesetzt wurden. Auf der Leinwand begegnet uns etwas Lebendiges, das die Schönheit des menschlichen Körpers offenbart.
Michael Hedwig (Österreich) betrachtet den menschlichen Körper als Träger von Energien und stellt diesen meistens in Figurengruppen dar. Im Zusammenwirken mit anderen entstehen jene sozialen Muster, in denen die Seele ihren Bereich der Entfaltung erfährt. Manchmal bleibt die Schwerkraft aufgehoben, was eine besondere Spannung erzeugt.
Diese vibrierende Spannung des geistigen Austausches hält auch Dimitrije Popovic (Montenegro/Kroatien) fest. Sein intensiver, bewegender Dialog mit Franz Kafka, Salvador Dali oder Sigmund Freud macht das Imaginäre zu einem Aspekt der Realität, der auf unterschiedliche künstlerische und ästhetische Weise erfahren und interpretiert werden kann.
Die fließende Energie bekommt eine Form in den Arbeiten von Jelena Đurić (Serbien). Befreit von der Gegenständlichkeit, genährt von Spontanität und emotionaler Intensität pulsieren ihre Werke durch die Farbwirkung und die schwingenden Linien. Das Bild bleibt kein statischer Speicher des Denkens, es wird zu einem lebenden Organismus, das in ständiger Bewegung und im Wechselspiel zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren bleibt.