Karl Anton Fleck
Hommage zum 85. Geburtstag
Neben einer großen Anzahl von Porträts, Stadtbildern und Landschaften sowie Akten, die in seiner Gesamtschaffenszeit von 1950 bis 1983 entstanden sind, gewinnen ab Mitte der 60er Jahre die Themen über Strategien und das Konsumverhalten der westlichen Welt, Gedanken zur Identität sowie Fragen zur Umweltpolitik an Bedeutung, die Karl Anton Fleck in seinem Bilderuniversum zum künstlerischen Programm macht.

- Karl Anton Fleck, Expressive Landschaft, 1977, Farbradierung, 31 x 44,5 cm

- Karl Anton Fleck, Per Zeiten, 1964, Grafit auf Papier, 62 x 47 cm

- Karl Anton Fleck, Wir Drei, 1971, Mischtechnik auf Papier, 45 x 62,5 cm

- Karl Anton Fleck, Sitzender Akt, 1972, Mischtechnik auf Papier, 44 x 30 cm

- Karl Anton Fleck, Magenmusik, 1976, Mischtechnik auf Papier, 62,5 x 90 cm

- Karl Anton Fleck, Essen mit Hubschrauber, 1976, Mischtechnik auf Papier, 62,5 x 90 cm

- Karl Anton Fleck, Liegender Akt, 1975, Radierung, Farbkreide, 30 x 40 cm Werknutzungsrechte © Galerie Chobot
Karl Anton Fleck wurde 1928 in Wien-Ottakring geboren. Von seinem Großvater erbte er vermutlich sein Gefühl für Musik und Rhythmus, doch der heranwachsende Karl Anton zeigte sich mehrfach talentiert. „Seit der Entdeckung meines Ichs zeichne, forme, gestalte ich… lange vor meiner Berufswahl lerne ich Stillleben-, Kopf- und Aktzeichnen im Volksbildungsheim Ottakring.“ (Zitat des Künstlers im Katalog der Galerie Autodidakt, Wien 1969). Auf Wunsch seiner Eltern beginnt er eine vierjährige Lehre als Tiefdruckretuscheur. Diesen Beruf übt er bis zu seiner Pensionierung 1980 neben seiner Künstlertätigkeit aus. Mit 20 Jahren war er fasziniert vom Jazz, er spielt Schlagzeug und plant eine Karriere als Berufsmusiker. Er schreibt sich als Student am Institut für Jazzmusik ein, kehrt aber bald darauf wieder in seinen erlernten Beruf zurück und nimmt 1953 ein Jobangebot in Schweden an, wo er fünf Jahre bleibt.
In Schweden malt er Landschaftsaquarelle, die 1955 erstmals im Kunstmuseum Hälsingborg sehr erfolgreich ausgestellt werden. In dieser Zeit beginnt er neben dem Zeichnen und Malen auch Gedichte zu verfassen. Nach seiner Rückkehr in Wien fand KAF (wie er sich bezeichnete) allmählich seinen unverkennbaren Stil, die sein Freund, der Schriftsteller und spätere Galerist Manfred Chobot beschreibt: „Aussparungen und Reduktion auf das Wesentliche einerseits, Verzerrungen von Details und Symbolen andererseits. Zusammengehalten wird dieses Konglomerat von einem klaren, markanten Umrissstrich, der die Konturen exakt festlegt. Diesem statischen Element gegenübergestellt werden nervöse, dynamische Strichbündel. Sie setzen die Akzente und Schwerpunkte, wodurch den Zeichnungen die ihnen eigene Spannung verliehen wird. Von fundamentaler Wichtigkeit war für Karl der menschliche Körper. In nahezu allen Zeichnungen, selbst in den Landschaften, finden sich Fragmente von Gliedmaßen sowie von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen.“ Seine eigenwilligen grotesken und bizarren Darstellungen zeichnen ihn als kritischen Chronisten und Visionär aus, der durch seinen autodidaktischen Zugang zur Kunst viele Stilrichtungen vereint. In vielen bissigen, humorvollen Selbstporträts schlüpft er in Tierkörper wie Hund, Affe, Löwe, Papagei oder verbirgt sich hinter historischen Masken wie z.B. Luther, Dürer oder van Gogh bis zu „Papst Karl Anton VI“.
Die Jazz-Musik gab er nie auf. Er spielte in den 1960er Jahren im Pechoc-Trio, zusammen mit zwei befreundeten akademischen Malern. Insider behaupten, dass ihr Auftritt 1961 im Forum Stadtpark in Graz das erste öffentlich aufgeführte Free-Jazz-Konzert in Österreich war.
Seine erste Einzelausstellung in Wien war 1962 in der „Galerie zum roten Apfel“, die von seinen beiden Musiker-Kollegen gegründet wurde – ein Treffpunkt für den künstlerischen Austausch von jungen Dichtern, Malern und Musikern. Es folgten mehrere Einzelausstellungen und Beteiligungen und 1968 das Angebot einer umfassenden retrospektiven Einzelausstellung mit 100 Werken in Hälsingborg, Schweden. Das Vorwort im Ausstellungskatalog schrieb der bekannte Kunstkritiker Otto Breicha, zu dem eine dauerhafte freundschaftliche Beziehung entstand. In den 1970er Jahren wird er Mitglied der Künstlergruppe „Der Kreis“, verbringt längere Aufenthalte im Atelierhaus von Neumarkt an der Raab im Südburgenland und wird 1982 Mitglied der Wiener Secession.
1979 wird ihm der Professorentitel zuerkannt. In dieser Zeit häufen sich Alkoholprobleme, er wird zunehmend aggressiv und nach einer Suizid-Androhung in die Psychatrie „Am Steinhof“ überstellt. Dort und auch bei Aufenthalten in „Kalksburg“ entstehen rund 100 Porträts von Patientinnen und Patienten sowie Selbstdarstellungen.
Am 5. Dezember 1983 starb Karl Anton Fleck in Wien. Die langsame Selbstauslöschung mit Hilfe von Alkohol war abgeschlossen (Manfred Chobot).
Dagmar & Manfred Chobot lernten Karl Anton Fleck in den späten 1960er Jahren kennen, waren zuerst fasziniert von seinen Aktzeichnungen, stellten ihn später in ihrer „Galerie Yppen“ aus und es entstand eine lebenslange Freundschaft. Nach dem Tod von KAF erwarben sie nach und nach seinen gesamten Nachlass.
Flecks Werke befinden sich in zahlreichen Privatsammlungen sowie in Museen und Kunstinstitutionen u.a. Leopold Museum, Rupertinum (Salzburg), Albertina, Artothek des Bundes, Kulturamt der Stadt Wien, Sammlung Essl (Klosterneuburg), Museum Liaunig (Neuhaus, Kärnten), Kunstmuseum Hälsingborg (Schweden), Sammlung Strabag und im
Museum Moderner Kunst (MOMA, New York).
Biografie
| 1928 | geboren am 9. Juni in Wien |
| 1942 – 1948 | Ausbildung im graphischen Gewerbe und kurzes Studium am Institut für Jazzmusik |
| 1953 – 1958 | Aufenthalt in Schweden, danach Rückkehr nach Wien |
| 1973 | Mitglied der Künstlergruppe „Der Kreis“ |
| 1982 | Mitglied der Wiener Secession |
| 1983 | gestorben am 5. Dezember in Wien |
Preise und Auszeichnungen
| 1973 | Theodor Körner-Preis |
| Preis der Ausstellung „Der Mensch und die Stadt“ Künstlerhaus Wien | |
| Anerkennungspreis Galerie dellÒre, Milano, Italien | |
| 1979 | Verleihung des Professorentitels |
| 1980 | Preis der Stadt Wien für Graphik |
Ausstellungen
| 1962 | Galerie zum roten Apfel, Wien |
| 1967 | Galerie Junge Generation, Wien, Umetnicka Galerija, Sombor, Jugoslawien |
| 1968 | Galerie Autodidakt, Wien, Vikingsbergs konstmuseum, Hälsingborg, Schweden |
| 1969 | Kleine Galerie, Wien |
| 1971 | Wiener Secession, Atelier Yppen (später Galerie Chobot), Wien |
| 1972 | Galerie Blutgasse, Wien, Galerie Tigges, Gütersloh, Deutschland |
| 1973 | Galerie auf der Stubenbastei, Wien |
| 1974 | Galerie Gras, Wien, Ganggalerie, Graz |
| 1977 | Stavanger Kunstmuseum, Norwegen, Galerie Contact, Wien |
| 1978 | Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, Galerie Gerersdorfer, Wien |
| 1979 | Junior Galerie, Wien, Galerie im Hofstöckl, Linz |
| 1981 | Z-Galerie, Wien, Kulturhaus Graz |
| 1982 | Galerie Grösel, Salzburg, Galerie Gerersdorfer, Wien |
| 1984 | Galerie Yppen (später Galerie Chobot), Wien, Galerie Altnöder, Salzburg |
| 1986 | Galerie Freund, Klagenfurt, Galerie Nagl, Vöcklabruck |
| 1988 | Galerie Welz, Salzburg |
| 1989 | Blaugelbe Galerie, NÖ Landesmuseum, Wien |
| 1990 | Galerie Chobot, Wien, Galerie Altnöder, Salzburg |
| 1991 | Galerie Nagl, Vöcklabruck, Galerie Welz, Salzburg |
| 1993 | Rupertinum, Salzburg, Galerie Chobot, Wien (zum 10. Todestag) |
| 1994 | BAWAG Foundation, Wien |
| 2003 | Galerie Chobot, Wien (zum 20. Todestag) |
| 2004 | Galerie Welz, Salzburg |
| 2005 | Leopold Museum, Wien |
| 2013 | Infeld Haus der Kultur, Halbturn |


