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Samstag, 26. Juli 2008
bis
Sonntag, 31. August 2008
Die Fotografien dieser Ausstellung zeigen die poetischen Orte, an denen
der Maler, Architekt und Naturschützer Friedensreich Hundertwasser
längere Zeit gelebt hat und in denen er seine Vorstellungen eines
naturgemäßen Lebens verwirklicht und sie dabei – so weit es ging – vor
der Öffentlichkeit verborgen gehalten hat:
„La Picaudière“ in der Normandie, die „Hahnsäge“ im Kamptal, der „Garten
Eden“ auf der Giudecca in Venedig, die Wohnung im KunstHausWien und die
Bay of Islands in Neuseeland.
Auf 100 großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern zeigt die Fotografin Erika
Schmied die Lebensstationen des Künstlers, mit denen sie sich von 1960
bis 2000 intensiv auseinander setzte.
Diese Ausstellung im INFELD HAUS DER KULTUR ist eine Würdigung
Friedensreich Hundertwassers, der heuer 80 Jahre alt geworden wäre.
Zur Ausstellung:
„Hundertwassers Paradiese“ |
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Friedensreich Hundertwasser strebte zeitlebens nach einer friedlichen,
humanen und naturnahen Umwelt. Er wollte zurück zu den Ursprüngen, zu
den Quellen des Lebens und suchte die Erneuerung eines paradiesischen
Daseins im Einklang mit den Pflanzen und Tieren, mit den Elementen und
den universellen Kräften der Schöpfung. Die Fotografien dieser
Ausstellung zeigen die Orte, an denen er längere Zeit gelebt hat, und
seine Wohnungen aufzusuchen, heißt, dem Geheimnis seines Lebens
nachzuspüren. In ihnen spiegelt sich – wie sonst nur in den von ihm
geschaffenen Bildern – sein innerstes Wesen. Sie sprechen von dem
Bedürfnis, sich vor der Welt zurückzuziehen und abzuschließen, und sie
öffnen sich gleichzeitig fast grenzenlos zur Natur. Vom
unreglementierten Wachstum der Vegetation umgeben zu sein, bedeutete für
ihn das höchste Glück. Hundertwasser wollte in die Welt wirken und
freute sich über die Verbreitung, die seine Ideen fanden. Gleichzeitig
aber flüchtete er vor dem Kunstbetrieb und den Folgen des eigenen
Erfolgs.
So hat er
- die für seine schöpferische Einsamkeit nötige Abgeschiedenheit suchend
- im Lauf der Zeit fünf Plätze gefunden, an denen er sich einrichtete
und die für ihn immer so etwas wie das Paradies bedeuteten:
1957 „La
Picaudière“ am Rande der Normandie, wo in der ruhigen Landschaft
zwischen Wiesen und Feldern viele seiner Werke entstanden.
1961 Venedig: zunächst die Wohnung in der Casa de
Maria und dann, Ende der 1970er Jahre der „Garten Eden“ auf der Giudecca.
Hier lag auch sein geliebter „San Giuseppe“, ein ehemaliger
Salzfrachter, den er asymmetrisch umbauen ließ, mit einem zweiten Mast
und farbigen Segeln ausstattete und den er auf „Regentag“ umtaufte.
Meist arbeitete er auf der Giudecca und wohnte auf dem Schiff.
1966 die
„Hahnsäge“ im Kamptal im Waldviertel – ein ehemaliges Sägewerk, in die
er sich auch noch in den späten 1980er Jahren immer wieder zum Malen
zurückzog.
1974 ein
ausgedehnter Landstrich in der Bay of Islands in Neuseeland – eine Farm,
wo er 60.000 Bäume pflanzte. Das Haus stattete er nach seinen
Vorstellungen von ökologischem Wohnen aus, dazu gehören neben
Sonnenkollektoren die „Humustoilette“ und Flaschenwände.
Ende der
1980er Jahre das KunstHausWien mit der im obersten Geschoß gelegenen
kleinen Einliegerwohnung samt Dachgarten. An diesem Haus arbeitete er
seit 1985 zusammen mit dem Architekten Peter Pelikan – 70.000 Besucher
kamen 1986 zur Eröffnung, um den Neubau zu besichtigen.
An diesen
Orten fühlte er sich zu Hause – hier hat er nachgedacht, Bilder
entworfen, Projekte konzipiert und sich architektonischen Träumen
hingegeben.
Im öffentlichen Bewusstsein lebt Hundertwasser als
unermüdlicher Tausendsassa und umtriebiger Impresario seiner selbst, der
allzeit zu neuen Unternehmungen
bereit war und seinem Ruf als „Behübscher“
nacheiferte. Die Aufnahmen von Erika Schmied zeigen, dass solche
Meinungen über den an seinem eigenen Erfolg leidenden Künstler von der
Realität nicht bestätigt werden. Hundertwasser war anders – wie, das
entdeckt der Besucher dieser Ausstellung. Es bleibt aber das eigenartige
Faktum, dass im Falle Hundertwassers das öffentliche Erscheinungsbild
wie das tatsächliche Dasein des Künstlers weit auseinander klaffen. Man
sollte darum auf jeden Fall die verborgene Existenz des Künstlers
kennen, wenn man über die Wirkung seines Werkes urteilt.
Zur Person
Erika Schmied
Die 1935
geborene und in Berlin und Vorchdorf in Oberösterreich lebende
Fotografin studierte Graphik und Kunstgeschichte in Hamburg und
arbeitete mehr als 30 Jahre im Verlag Hoffmann und Campe als Redakteurin
und Art-Director für die Monatshefte MERIAN. Sie war viele Jahre
hindurch auf den Spuren zweier Österreicher unterwegs, die sich
unterschiedlicher kaum denken lassen: Thomas Bernhard und Friedensreich
Hundertwasser. Ihr Mann, der Kunsthistoriker und Autor zahlreicher
Literatur- und Kunstbücher Prof. Dr. Wieland Schmied, zählt zu den
frühen Förderern von Thomas Bernhard.
Zur Person
Friedensreich
Hundertwasser
Friedensreich Hundertwasser war zweifellos einer
der größten österreichischen bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Er
war Maler, Druckgrafiker, Architekt, Aktivist, Ökologe, Friedensfürst
und Weltenbummler in Personalunion. Er wurde 1928 in Wien als Friedrich
Stowasser geboren. Er ist quasi autodidakt - seine Ausbildung
beschränkte sich auf einen dreimonatigen Besuch der Akademie der
bildenden Künste in Wien im Jahr 1948. Seit 1949 unternimmt er seine
ersten
ausgedehnten Reisen nach Italien und Paris,
wo er eine Zeit lang lebt und malt. Er ändert seinen Familiennamen auf
Hundertwasser und Friedrich und Fritz wird Friederich und Friedensreich.
Seine Werke signiert er mit Kombinationen der Namen Friedensreich
Hundertwasser Regentag Dunkelbunt. 1951 reist er nach Marokko und
Tunesien und ist von der arabischen Kultur begeistert. In ihrer
Formenvielfalt und satten Farbigkeit findet er neue
Ausdrucksmöglichkeiten für seine Kunst. Diese Reisen brachten die
entscheidendsten Einflüsse für seine Malerei - Paul Klee, Egon Schiele
und Gustav Klimt beeindrucken ihn.
Schon früh
zeigt sich in Hundertwassers Werken die Auseinandersetzung mit der
modernen Architektur. Eines seiner wichtigsten Anliegen ist künftig die
Verbindung architektonischer Funktionalität mit besseren,
menschenwürdigeren Lebens-bedingungen.
Obwohl
Hundertwasser stets viel auf Reisen ist, sucht er immer wieder nach
Orten, in die er sich zurückziehen kann.
1957 nahm
er an der ersten Biennale in Bordeaux teil, 1959 wird er mit dem
Sambra-Preis der Biennale Sao Paulo ausgezeichnet. 1961 bereist er Japan
und erhält den Mainichi-Preis auf der Kunstausstellung in Tokio. In
seinen neuen Werken fließen Anregungen aus der japanischen Kultur ein,
besonders fasziniert ihn die traditionelle japanische
Holzschnitt-Technik. Auf der Biennale in Venedig 1962 findet seine
Einzelausstellung weltweite Anerkennung.
1968 erfüllt er sich mit dem Kauf des ehemaligen
Salzfrachters „San Giuseppe“ einen lang gehegten Jugendtraum. Er tauft
das Schiff auf „Regentag“ um und lebt bis 1972 an Bord. Regentage
schätzt er besonders, seit er bemerkte, wie die Farben an einem Regentag
zu leuchten und zu strahlen beginnen. Er setzt sich für Dachbewaldung in
individuelle Fassadengestaltung ein, reist auf die Kapverdischen Inseln
und nach Neuseeland, wo er für seinen „Conservation Week Poster“ den „Conservation
Award“ erhält. In Wien
präsentiert er sein Konzept für die
Fußgängerzone. Er entwirft viele Briefmarken und leitet die Serie
„Moderne Kunst in Österreich“ ein.
1975 beginnt in Paris die Wanderausstellung
„Österreich zeigt den Kontinenten Hundertwasser“ – eine Retrospektive,
die bis 1976 weltweit in 35 Städten gezeigt wird. Die
Albertina-Ausstellung seines gesamten grafischen Oeuvres beginnt die
Tour in den USA in New York und Boston. Unterdessen segelt Hundertwasser
mit der „Regentag“ von
Tahiti über Rorotonga nach Neuseeland.
1980 wird
ihm der „Große Österreichische Staatspreis“ verliehen, bei dieser
Gelegenheit hält er eine Rede gegen Atomkraft und „Die falsche Kunst“.
Er wird mit dem Österreichischen Naturschutzpreis ausgezeichnet und er
setzt sich weltweit mehr und mehr für Ökologie und Anti-Atom ein. Im
Februar 1986 wird das „Hundertwasser-Haus“ in Wien den Mietern
übergeben. 1988 wird die von ihm gestaltete Kirche „St. Barbara“ in
Bärnbach in der Steiermark geweiht. Er wird mit dem Goldenen
Ehrenzeichen der Stadt Wien und dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes
Steiermark ausgezeichnet.
All die Jahre finden laufend weltweit
Ausstellungen statt und er arbeitet an mehreren architektonischen
Projekten, für die er auf der ganzen Welt berühmt ist. Neben seinen
großen Reisen nach Australien, Indien,
Nepal und in viele europäische Länder zieht er sich immer wieder in
seinen „Paradiese“ im Waldviertel, in Venedig, in Wien und in Neuseeland
zurück.
Friedensreich Hundertwasser starb 71jährig am 19. Februar 2000 an Bord
der „Queen Elizabeth II“ während einer Seepassage von Neuseeland nach
Europa - allein in seiner Kabine an Herzversagen. Auf seinem Grab, in
das man ihn wunschgemäß ohne Sarg – nur in Leinentücher gehüllt – legte,
wurde ein Baum gepflanzt, dessen Wurzeln sich mehr und mehr um ihn
schlingen werden. Er hat sich stets für den Schutz der Bäume eingesetzt
– so ist seine letzte Ruhestätte eine symbolische Rückkehr des Menschen
in den Schoß der Natur.
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